In Zukunft soll durch Grundwasserkühlung Strom und Dampf eingespart werden

Kühles Grundwasser kann in der Produktion die Abkühl-Prozesse unterstützen und im Sommer die Gebäude kühlen. Ob dies in Buchs auch praktisch machbar ist, wird gerade durch Probebohrungen und Experimente untersucht.

  • Das mobile Bohrgerät ist am richtigen Ort, der kleine Bohrturm ist aufgebaut: Die Probebohrung nach Grundwasser kann beginnen.

  • Die Absorptionskälte-Anlage funktioniert ähnlich wie ein Kühlschrank. Die Anlage wandelt den Fernwärme-Dampf in Kälte zum Kühlen der Produktionsgebäude um. In Zukunft soll das Grundwasser direkt kühlen.

  • Die beiden Bilder zeigen Teile der Eiswasser-Anlage der Mibelle Group: Links ist einer der drei Kältekompressoren abgebildet. Im rechten Bild sind das Freecooling-System (links) und der Rückkühlturm (rechts) zu sehen. Hier wird Kälte in Form von Kaltwasser erzeugt und in der Produktion als "Prozesskälte" verwendet.

  • Die Grafik zeigt den Prozess der Kühlung von der Entnahme bis zur Versickerung des Grundwassers.

Wer im Herbst 2017 auf das Gelände der Mibelle Group in Buchs schaute, sah dort vielleicht eine violett-weiße Maschine in der Größe eines Wohnwagens, an ihr viele Kabel und Rohre, darauf ein kleiner Bohrturm und darum herum zwei Männer, die im großen Lärm der Generatoren schweigsam und konzentriert ihre Arbeit verrichteten. Hier wurde nicht nach Öl gebohrt, sondern nach Grundwasser. Es war der Auftakt für ein völlig neues Projekt der Mibelle Group, das ein großes ökologisches Potenzial besitzt: Grundwasser soll Kälte liefern. Das Ergebnis der Probebohrungen ist allerdings noch offen.

Das Erzeugen von Kälte benötigt viel Energie
Wozu braucht die Mibelle Group am Standort Buchs Kälte? Thomas Aliverti, Leiter Infra, Energie & Bau, erklärt die Zusammenhänge: "Wir erhitzen die Produkte in der Produktion, damit sie zum Beispiel geschmeidiger werden und besser verarbeitet werden können. Die meisten Produkte werden dann wieder heruntergekühlt. Und dann sind da auch die Gebäude. Wir haben keine Klimaanlage, doch wir brauchen Kälte, um die Räume zu konditionieren, damit sie nicht zu warm werden. Die Kälteerzeuger sind große Strom- und Dampfverbraucher."

Bislang wird die Energie zur Kältegewinnung aus konventionellem Strom gewonnen. Hier würden Einsparungen also deutliche Verbesserungen der Klimabilanz erbringen. Die Nachhaltigkeits-Strategie von M-Industrie, der Dachgesellschaft, gibt strikte Zielvorgaben vor: Im Zeitraum 2010 bis 2020 soll sich der Stromverbrauch um 10% und der Wärmeverbrauch um 20% reduzieren (in Bezug auf die produzierte Menge). Diese Vorgabe hat die Mibelle AG bereits jetzt erfüllt: Im Vergleich zu 2010 ist bis jetzt der Stromverbrauch um 21% und der Wärmeverbrauch (Dampf) um 34% gesunken, bezogen auf die produzierte Menge.

Die Grundwasser-Kühlung kann bei der Energieeinsparung eine wichtige Rolle spielen. Die Kühlung funktioniert sicher, und es wird fast kein Strom verbraucht, sie ist also extrem effizient und klimaneutral. Wichtig ist auch, dass das geplante Vorhaben für Natur und Umwelt unbedenklich ist, dafür sorgen strenge Auflagen des Kantons Aargau: "Wir entnehmen es mit knapp 12 Grad aus dem Boden und dürfen es nur leicht erwärmt, maximal um 5 Grad, wieder abgeben. Im Umkreis von 100 Metern darf die Temperatur des Grundwassers um maximal 3 Grad ansteigen", so Aliverti.

Grundwasser kann kühlen, wärmen und als Produktrohstoff verwendet werden
Für die Mibelle Group ist die Probebohrung auch ein gewisses, finanzielles Risiko ein. Denn trotz sorgfältiger Vorbereitung ist ungewiss, ob auch genügend Grundwasser am Bohrloch zur Verfügung steht. Die ökonomischen und ökologischen Erfolgspotenziale sind jedoch zu groß, als dass man sich diese Chance entgehen lassen könnte. Aliverti dazu: "Wir sind jetzt in Phase 0 und machen von einem Brunnen eine Probebohrung mit Pumpversuch, ob es funktioniert. Läuft alles nach Plan, kommt Phase 1. Wir bohren dann insgesamt drei Brunnen: Einen Brunnen für die Komfortkälte und zwei Brunnen für die Prozesskälte. Für die Rückgabe braucht es noch fünf Sickerbrunnen. Pro Brunnen sind im Moment 900 Liter Grundwasser in der Minute geplant. Dann sprechen wir über eine Größenordnung von 615.000 kWh Strom und 1.100.000 kWh Dampf, die wir durch die Brunnen einsparen können. Das sind etwa 10% unseres gesamten Strom- und Dampfverbrauchs. Allerdings müssen wir erst einmal knapp 1,3 Millionen Franken investieren."

In Phase 1 wird das Grundwasser nach der Kühlung direkt wieder ins Erdreich zurückgeführt. Mittel- und langfristig ist allerdings viel mehr denkbar. In Phase 2 könnte das leicht erwärmte Grundwasser durch eine Wärmepumpe fließen, um die Wärme zurückzugewinnen und diese in den Wintermonaten für die Heizung zu nutzen. Und in Phase 3 würde das Grundwasser schließlich gar nur zu einem Teil versickern. Das übrige Grundwasser wird am Ende in Reinstwasser umgewandelt. Dieses Reinstwasser kann dann in der Produktion der Cremes und Lotionen eingesetzt werden. Die Wasserqualität bleibt dabei absolut gleichwertig. Schließlich kommen das Grundwasser zum Kühlen und das Trinkwasser der Mibelle aus demselben Grundwasserstrom. Die Vision ist also: Grundwasser kühlt zuerst, wird dann zum Wärmelieferanten und schließlich zum Produkt-Rohstoff.

Aliverti möchte keine Zeit verlieren: "Unser sportliches Ziel ist es, dies schon 2018 realisieren zu können." Unterstützt wird die Mibelle Group auf diesem Weg durch Ingenieure der Migros Engineering Solutions. Auch dieser Erfahrungs- und Wissensaustausch ist für das Mibelle-Team sehr wertvoll. Selbst wenn die Grundwasser-Kühlung bei der Mibelle Group doch nicht realisiert werden könnte, haben alle Verantwortlichen wichtige Erfahrungen gesammelt für weitere Umweltprojekte in den anderen Unternehmen der Migros-Gruppe.

Fakten zur Grundwasser-Kühlung der Mibelle Group:

  • Das Vorhaben befindet sich aktuell in der Probephase.
  • Geplant ist, die Kühlung in der Produktion und die Kühlung der Gebäude zu 100% durch Grundwasser zu ermöglichen. Falls das erreicht wird, würde die Mibelle Group etwa 10% des Stroms und Dampf einsparen, entsprechend etwa 615.000 kWh Strom und 1.100.000 kWh Dampf.
  • Dies soll auch ein Beitrag zur Migros Klima- und Energiestrategie werden: Von 2010 bis 2020 soll sich der Stromverbrauch um 10% und der Wärmeverbrauch um 20% reduzieren, bezogen auf die produzierte Menge. Bis jetzt hat die Mibelle Group eine Reduktion des Stromverbrauchs um 21% und des Wärmeverbrauchs (Dampf) um 34% erreicht.
  • Auch die langfristige Vision der Dachgesellschaft M-Industrie wird dadurch unterstützt: Bis 2040 soll sich der Stromverbrauch und der spezifische Wärmeverbrauch der ganzen M-Industrie um 25% reduzieren.

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